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Es ist getan - mit einer gebrauchten Fuji GX617 beginnt für mich eine neue Reise auf unbekannten Wegen und zu verheißungsvollen Zielen.
Besonders meine Freude am Panoramaformat, das unmittelbare Umsetzen meiner Bildideen und die Konzentration auf das gestalterische Element der Fotografie haben mich zum Kauf der analogen Panoramakamera bewegt.
Das extreme Bildformat und die Vereinfachung der Komposition wiegen für mich persönlich die Vorteile der digitalen Fotografie zur Zeit noch auf. Das handwerkliche Arbeiten mit dem analogen Filmmaterial und die herausfordernde Ungewissheit haben für mich zudem den besonderen Charme der Langsamkeit.
Die Fuji GX617 ist eine analoge Sucherkamera. Sie belichtet 120er bzw. 220er Rollfilme im Format 56x168 mm, was meinem bevorzugten Bildformat von 1:3 entspricht. Aufgrund der Bildgröße reicht ein 120er Rollfilm gerade einmal für vier, ein 220er Rollfilm schon für acht Aufnahmen.
An der Kamera ist so gut wie alles manuell und das einzige, wofür die beiden CR123A Batterien benötigt werden, ist der magnetisch gekoppelte Auslöser am Gehäuse.
Mit einem Gewicht von knapp 2,4kg liegt die GX617 inkl. dem SW 8/105mm Objektiv relativ angenehm in der Hand. Trotzdem ist die Kamera mit einer etwas unhandlichen Breite von 28cm eher auf dem Stativ zuhause, als in der spontanen Fotografie aus der Hand.
Fuji hat für die GX617 vier Objektive entwickelt: das SWD 5.6/90mm mit 89°, das SW 8/105mm mit 80°, das W 6,7/180mm mit 52° und das T 8/300mm mit 33° Blickwinkel. Um den Lichtabfall zum Rand hin auszugleichen benötigen das 90mm und 105mm Objektiv einen Neutralgrau- Mittenfilter (ND Center Filter), der gut eine Blende Licht schluckt und für Diafilme unerlässlich ist. Persönlich verwende ich das SW 8/105mm, dessen 80° Blickwinkel in etwa dem eines Nikon AF Nikkor 24 mm an der Nikon D700 entspricht.
Jedes Objektiv kommt mit einem eigenen Aufstecksucher, der sehr leicht ist und ein helles und akkurates Sucherbild produziert. Es ist damit recht einfach, eine Lokation zunächst nur mit dem Sucher in der Hand zu erkunden und dabei eine gute Vorstellung des Motivs zu entwickeln.
Die Belichtung kann mit einem 1- Blendenabstand über neun Blendstufen manuell zwischen 1s und 1/500s bzw. auf beliebig ("B") eingestellt werden. Mit einer Anfangsblende von f8 bietet das SW 8/105mm fünf Blendenstufen bis zur letzten Markierung von f45, wobei jede Blendenstufe in Drittelstufen aufgeteilt ist.
Der Nahbereich des SW 8/105mm beginnt bei ca. 1,2 Meter und endet mit Blende f45 dann bei ca. 3 Metern; "nah/fern-" Kompositionen setzen daher - gerade im Hochformat - ein sorgfältiges Arbeiten voraus, auch wenn ich den scharf/unscharf Übergang als gutmütig empfinde. Bei einer Arbeitsblende von f22 liegt der Bereich "optimaler" Schärfe zwischen 5 Metern und unendlich.
Die Einstellung des angestrebten Schärfenverlaufs und der Entfernung erfolgt manuell über die Blendenwahl. Da die GX617 eine Sucherkamera ist, muss man die Wirkung der Blende also abschätzen oder die optional erhältliche Mattscheibe verwenden - dann allerdings ohne geladenen Film.
Soweit ich verstanden habe, ist besonders für das SWD 5,6/90mm eine gute Planlage des Films notwendig. Es ist daher grundsätzlich eine gute Idee, den Film erst vor der nächsten Auslösung zu transportieren. Bei meinem SW 8/105mm habe ich diesbezüglich bisher allerdings keine negativen Erfahrungen gemacht.
Fuji hat um 2004 herum die Produktion der GX617 eingestellt. Kamera und Objektive sind daher nur noch gebraucht zu finden.
Dieses vorausgeschickt erhält man mit der Fuji GX617 Bilder in einem atemberaubenden Format, einer angenehm natürlich wirkenden Farbbrillanz sowie einer sehr hohen optischen Qualität. Dias eines Fujichrom Velvia 50 RVP sehen schon auf dem Leuchtpult beeindruckend aus und lassen sich mittels professioneller Scanner und Drucker auf ein wandgroßes Ausgabeformat bringen.
Ich bin auf diese neue "alte Fotografie" gespannt.



